Brigitte Hutt - IT-Beraterin und Autorin

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Ostsee

Silvester

Federnd, nachgiebig, sanft, fest, vertraut und vertrauenerweckend. Dann pudrig, bremsend, verzögernd, wieder federnd, feucht, Wasser spuckend, Wasser schluckend. Schritte sinken ein, Pfützen entstehen, versinken wieder. Kleine Schrägen mit knirschenden Muschelgräbern.

Wellen lecken an Land, sanft rauschend, laufen aus, ziehen sich zurück, hinterlassen ihre Umrisse im nassen, festen Sand. In flachen Tälern bleiben kleine Seen, Wellenmuster am Grund, Licht in fließenden Bögen und Kringeln reflektierend. Quallen werden auf den Sand gespült, bleiben reglos liegen, werden dem Sand immer ähnlicher, gehen in ihm auf.

Das Auf und Ab der Wellen setzt sich fort im Sand. Höhen und Täler, sanft gerundet, oft überspült und wieder freigegeben, sich wiederholend bis in die Unendlichkeit, die doch endlich ist, Sand und Wasser, soweit das Auge reicht.

Was ist hinter dem Horizont? Diese Neugier auf das Weitere, nie zufrieden mit dem Jetzt. Die eigene Unsterblichkeit, die Unendlichkeit des Möglichen, des Erreichbaren, des Erlebbaren, des Lebens. Die Straße des Lebens führt über den Horizont hinaus, verheißungsvoll, verführerisch oder bedrohlich. An ihrem Rand tauchen Schilder auf, bei genauerem Hinsehen sind es Warnschilder. Beim Näherkommen wandeln sie sich in Stelen, und Namen sind zu entziffern.

Klaus, Hans, Dieter. Rosi, Gertrud, Margret. M.G., B.F., G.M., N.M. Irgendwo dort hinten, das ist sicher, auch eine Stele mit meinem Namen. Wie weit gehe ich noch?

Schritte knirschen im Muschelkalk, werden gedämpft im feuchten Sand, gebremst, beflügelt, abgefedert. Noch gehe ich, und ich will jedem Schritt nachspüren.


© Brigitte Hutt Usedom Dezember 2013

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