Brigitte Hutt - IT-Beraterin und Autorin

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Wüste

Narrative

Die Menschen in der weißen westlichen Welt sind aufgeklärt, Religion ist für sie Aberglaube, sie halten es eher mit Wissenschaft und Selbstbestimmung. Man könnte beinahe sagen, sie glauben an Wissenschaft und Selbstbestimmung, aber

Trotzdem - die Tradition ist nicht aus den Köpfen verschwunden, wenn sie auch seltsame Blüten treibt. Neulich hörte ich diesen Gesprächsfetzen:

Eigentlich ist die Schöpfungsgeschichte doch eine Anmaßung.
 

Aber was ist denn die Schöpfungsgeschichte anderes als - eben eine Geschichte? Eine von Menschen - ja! - erzählte Geschichte, aus Zeiten, in denen die Menschen einander die Weisheiten des Lebens in Geschichtenform erzählten. Weil sie keine anderen Wege kannten.

Und daher lohnt es sich, einen - gern auch ungläubigen - Blick in die Bibel zu werfen, denn sie transportiert - vor allem im Ersten Testament - uralte Bilder der Menschheit, Narrative, die uns noch heute etwas sagen können. Und diese Bilder können und sollten wir mit wissenschaftlichen, aufgeklärten Methoden zu entschlüsseln versuchen.

Das Bild von der Erschaffung des Menschen lehrt uns, dass wir alle Söhne und Töchter desselben Gedankens sind (Im Anfang war das Wort) - dass alle Unterschiede, in Geschlecht, Farbe, Sprache, Intelligenz nichts daran ändern, dass wir alle nur das eine sind, ohne Ausnahme: Menschen. Und dass das ein Auftrag ist, geschwisterlich miteinander umzugehen.

Das Bild des Urvaters Abraham lehrt uns, dass es notwendig sein kann, aufzubrechen ins Ungewisse, Vertrauen zu haben auf Kräfte, die größer sind als unsere eigenen begrenzten. Das Böse in der Welt? All die Umstände, die uns misstrauisch machen? Wo finden wir sie, wenn nicht (auch) in uns selbst!

Das Bild des Volkes Israel, das zu einem "besonderen" Volk erklärt wird, sagt uns, wenn wir genauer hinschauen, dass das Besondere vor allem darin besteht, dass dem Menschenvolk die Zukunft unseres Planeten anvertraut ist. Um die Menschheit geht es in diesem Auftrag, nicht um ein kleines Volk irgendwo im Mittelmeerraum. Alle haben den Auftrag, sich und ihre Welt zu bewahren. In Zeiten der so genannten Klimakrise heißt das: Es stand doch schon immer geschrieben, dass wir mit unseren Ressourcen behutsam und verantwortungsvoll umgehen müssen - warum haben wir verlernt, es zu lesen?

Wir alle sind Menschen, vom gleichen Stamm, sagen die Narrative. Wir haben gemeinsame Aufgaben. Gemeinsame, nicht gleiche.

Die Unterschiede zwischen den Menschen aber sind im Grunde überlebens-notwendig, denn nur unterschiedliche Menschen können unterschiedliche Aufgaben im Leben erfüllen, deren es genug gibt. Oder möchten Sie alle Greta Thunberg sein? Oder doch lieber Tim Mälzer? Alle?

Und ich habe auch ein Argument für Unterschiede zwischen Menschen, die einander nahe stehen: Wenn Ihr Nachbar, Ihre Schwester, Ihr Kollege, Ihre Chefin so wären wie Sie, genauso - dann würden Sie, das verspreche ich Ihnen, alle Ihre eigenen unangenehmen Eigenschaften an dieser Person hassen. Bewusst oder unbewusst.



© Brigitte Hutt 2020

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