Brigitte Hutt - IT-Beraterin und Autorin

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Mahlzeit?!

Unverträglichkeiten

Es ist normal, dass die jeweils jüngere Generation mit ein wenig Seufzen und Zähneknirschen auf die ältere schaut und gutmütig bis ungern deren Marotten in Kauf nimmt.

So war es in unserer Jugend schon ein Kunststück, ein Familienfest kulinarisch auf die Beine zu stellen. Oma isst kein Rindfleisch, Onkel Rudi kein Schweinefleisch. Tante Hilde ohnehin nur Geflügel, was Tante Birte aber aus Tierschutzgründen (Legebatterie!) ablehnt. Opa verträgt keinen Kohl, nicht einmal Blumenkohl, doch für Onkel Hans ist in der Winterzeit Kohl das einzig zulässige Gemüse, mit Ausnahme von Hülsenfrüchten und Mais - aber für Onkel Bernhard ist Mais "Hühnerfutter". Für Opa beginnt ein Festessen stets mit Suppe, doch für Onkel Hans muss das dann Blumenkohlsuppe sein - siehe oben. Soße muss sein, aber die einen vertragen sie nur ohne Mehl und mit Sahne, und die anderen auf jeden Fall ohne Sahne, sowie Ich breche hier ab.

Und heute? Blicken wir auf unsere Kinder. Sebastian ist Vegetarier, Lena sogar Veganerin. Erik hat eine Laktoseintoleranz entwickelt, dagegen liebt Sibylle alles mit Käse, aber sie isst grundsätzlich nur regionale Produkte. Das Zertifikat hat in der Küche einsehbar zu sein, zumindest kommt sie immer und fragt.

Wir sind damals mit Großeltern, Onkeln und Tanten irgendwie zurechtgekommen, und wir kommen auch mit den Wünschen der Kinder zurecht. Doch es gibt noch einen weiteren Aspekt. Es ist normal, dass die jeweils jüngere Generation mit ein wenig Seufzen und Zähneknirschen auf die ältere schaut und gutmütig bis ungern deren Marotten in Kauf nimmt. Warum ich das wiederhole? Na, weil es so ist. Nicht die Essenswünsche und Unverträglichkeiten unserer Kinder sind das Problem, nein, groß ist deren Entsetzen über uns: Was, ihr esst immer noch Fleisch? Und Orangen aus Israel? Und lehnt es ab, Erdbeeren im Oktober und Trauben im Mai zu kaufen? Ihr seid ja vollkommen vorgestrig!



© Brigitte Hutt, im erdbeerfreien Herbst 2019

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