Brigitte Hutt - IT-Beraterin und Autorin

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kein Humor?

Es gibt keinen Humor im Islam. Keinen Humor?
– Nach einer wahren Begebenheit

Aufschrei des Entsetzens. In einer modernen Großstadt, die stolz ist auf ihre Weltoffenheit, auf ihre Industrie, ihren Handel und ihre Beschäftigungslage ebenso wie auf ihre multikulturelle Gastwirtschaftslandschaft, in einer Stadt, die sich selbst gern als "mit Herz" bezeichnet, will eine türkisch-islamische Gemeinde statt ihres Gebetsraums in einem Abbruchhaus eine würdige Moschee bauen. Mit Kuppel und Minarett, wie die Gläubigen es "von daheim" gewohnt sind.

Die Stadtregierung versteht das Anliegen dieser ihrer Steuerzahler und bietet der Gemeinde ein städtisches Grundstück an, Baulücke seit Jahrzehnten, lediglich per Gewohnheitsrecht von Anwohnern als Parkplatz genutzt. Der Haken und zugleich Anlass – wenn nicht Grund – für den Aufschrei: Das Baugrundstück liegt gegenüber einer katholischen Kirche, nur durch eine nicht einmal sportplatzgroße Grünanlage getrennt.

Unsere Großstadt ist, neben den schon oben genannten Vorteilen, auch sehr demokratiebewusst, und so werden regelmäßig Bürgerversammlungen abgehalten, natürlich auch im Stadtbezirk mit den Moscheebauplänen. Nie zuvor war eine Bürgerversammlung so gut besucht. Nie zuvor gab es so viele Redebeiträge, so leidenschaftliche Abstimmungen. Kaum war es möglich, die gehobenen Hände zu zählen, trotzdem steht das Votum fest: Knapp die Mehrheit der Anwesenden lehnt die Moschee entschieden ab. Wenig Freunde macht sich der eigens persönlich erschienene Oberbürgermeister, als er anmerkt, jede Stimme gegen die neue Moschee sei zugleich eine Stimme für die Renovierung der alten, des Abbruchhauses.

Das Spiel wiederholt sich im zweiten, im dritten Jahr. Mittlerweile hat sich – neben einer Anti-Moschee-Bürgerbewegung – ein kleiner Gesprächskreis gebildet, der die Angst, das Unbehagen der einheimischen Bürgerinnen und Bürger durch Begegnungsveranstaltungen mit den Muslimen abbauen will. Es kommt tatsächlich zu zahlreichen Begegnungen – die Moscheegegner ergreifen jede Gelegenheit, den Muslimen auch persönlich ihre Abneigung ins Gesicht zu sagen.

Als die Redebeiträge auch der dritten Bürgerversammlung eindringlich vor den Gefahren einer Moschee, vor der Verschandelung des Viertels durch Bebauung des Parkplatzes, vor den Schatten werfenden Minaretten, vor der Verkehrszunahme anlässlich des Freitagsgebets warnen, reiht sich auch ein ganz besonderes Argument ein: "Da sind zwei Schulen am Platz. Erheblich zu nah an der geplanten Moschee. Bedenken Sie die Gefahren für unsere Kinder."

Nach der Versammlung geht eine der deutschen Initiatorinnen des Begegnungskreises zu den türkischen Muslimen, die der Debatte gelauscht haben, und entschuldigt sich für den Verdacht, die Muslime seien so etwas wie Kinderfresser.

"Doch, doch", meint gelassen D. T., Muslim, Türke, Industriemechaniker bei der Stadt, "ich hole mir jeden Tag ein paar."


© Brigitte Hutt 2016

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