Brigitte Hutt - IT-Beraterin und Autorin

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Romanze in Esslingen/BW

Romanze *

Oskar sieht nur Magdalena,
schickt ihr Blumen, schickt Pralinen,
wartet täglich auf der Straße,
will sie endlich, endlich haben.

Magdalenas Pläne aber
laufen anders, ohne Oskar,
sehen Ziele, sehen Freunde,
wollen ihn dabei nicht haben.

Oskar spricht mit Magdalena,
sagt ihr wunderschöne Worte,
spricht von Liebe, spricht von Sehnen,
von Erfüllung aller Träume.

Magdalena träumt ihr Eignes,
träumt von Lachen, Tanzen, Reisen,
sagt ihm auch, dass ihr die Lust fehlt
sich zu binden, ihn zu lieben.

Oskar fühlt in seinem Körper
Panik steigen, Schweißausbrüche,
ohne Magdalena leben,
will und kann er sich nicht denken.

Magdalena gibt sich freundlich,
sachlich sagt sie ihre Meinung,
die Entscheidung ist gefallen.
Oskar hat ihr das zu glauben.

Oskar kann nicht, Oskar wehrt sich,
täglich steht vor ihrem Haus er,
täglich frische Blumen bringt er,
irgendwann muss sie's doch spüren.

Magdalena macht ihm deutlich:
Blumen nicht und nicht Pralinen,
sein Verfolgen und Beschwören,
all das bleibt ihm ohne Lohn.

Oskar kann und will nicht glauben,
sucht stattdessen ihre Wege,
steht im Bus an ihrer Seite,
sagt nichts, wirbt um sie durch Blicke.

Magdalena wird nervös nun.
Bittet, sie in Ruh' zu lassen,
doch vergeblich spricht und schimpft sie,
einer Woge gleich drängt Oskar.

Und er fasst den neuen Plan jetzt,
um die Mitternacht zu kommen,
niemand stört dann ihn und Lena,
niemand hindert dann sein Werben.

Magdalena nur und Oskar
und die sanfte Nacht im Sommer,
das, beschließt er, ist der Rahmen,
dem kann keine widerstehen.

Magdalena ist zum Feiern
in der Freunde Haus gekommen.
Hat getanzt und hat getrunken.
Hat den Abend sehr genossen.

Lachend tritt sie auf die Straße,
läuft noch tänzelnd auf und nieder,
hat ein Taxi sich gerufen,
hofft, dass es bald kommen möge.

Da tritt Oskar aus dem Dunkel,
streckt die Arme ihr entgegen,
hält Champagner in der Linken
und ein Kästchen in der Rechten.

Sie schreit auf, ist starr vor Schrecken,
hatte heute ihn vergessen.
Schlägt nach seinen Händen, dreht sich
weg von ihm, nur weg von Oskar.

Oskar greift nach ihr, verzweifelt,
warum kann sie nicht verstehen?
Lässt das Kästchen beinah fallen,
das den gold'nen Ring für sie birgt,

stolpert, greift nach Frau und Kästchen -
dabei rutscht die edle Flasche
aus den Fingern, trifft die Arme,
schlägt zu Boden, tausend Scherben.

Magdalena springt beiseite,
will nicht in die Pfütze treten,
rutscht vom Bordstein, als soeben
eilig dort das Taxi ankommt.

Oskar will die Liebste retten.
Sie will nicht von ihm berührt sein,
taumelt rückwärts, und der Fahrer
schleudert, trifft, kann nicht mehr bremsen.

Beide liegen auf der Straße.
Oskars Blut und Magdalenas
mischen sich mit dem Champagner,
und der Ring schwimmt in der Mitte.

Trautes Bild im Schein des Mondes.
Langsam kommen nun die Menschen
aus den Häusern, aus den Autos,
fassen nicht, was hier geschehen.

Weinend wiederholt der Fahrer,
dass er gar nichts, nichts dafür kann,
dass er immer Sorgfalt wahre,
dass die zwei vor ihn gestürzt sind.

Oskar sieht nur Magdalena,
sieht den starren Blick der Augen,
die nun nie mehr ihm gehören,
nie gewonnen, doch verloren.

Ω

* Die Romanze kam im Mittelalter in Spanien auf und war ursprünglich ein volkstümliches Lied, das Sagen oder historische Ereignisse erzählte und meist in ungereimten 16-silbigen Versen gestaltet wurde.
Quelle: Wikipedia


© Brigitte Hutt 2016

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